Vegane Krankenkassen – Haben Veganer Vorteile bei der Krankenversicherung?

Die rein pflanzliche Ernährung ist in den letzten Jahren für immer mehr Menschen zu ihrer bevorzugten Ernährungsform geworden. Diese Entwicklung machen sich verschiedene Sparten zunutze und der Markt für vegane Produkte wächst stetig. Viele Menschen berichten zudem von den positiven Effekten, die diese Ernährungsform auf ihre Gesundheit hat. Zahlreiche Studien belegen diese Erfahrungsberichte und es gilt als gesichert, dass Veganer im Durchschnitt weniger zu Übergewicht neigen und einen niedrigeren Blutzucker- und Cholesterinspiegel aufweisen.

Bei der Betrachtung dieser Ausgangslage scheint es logisch, die Frage nach einer Krankenversicherung zu stellen, die Menschen mit dieser Lebensform begünstigt. Im Folgenden soll deshalb geklärt werden, wie sich die Situation bezüglich einer ‘veganen’ Versicherung in Deutschland darstellt. Dabei wird neben der gesetzlichen Zulässigkeit auch über die Einstellung der Krankenkassen über Veganismus diskutiert.

Die Gesetzeslage

Die Krankenkassen in Deutschland unterliegen dem Solidarprinzip. Das bedeutet, dass jedes Mitglied der Krankenkasse das gleiche Recht auf Versorgung hat und niemand bevorzugt oder benachteiligt werden darf. Alle Versicherten bezahlen einen monatlichen Beitrag. Dieser finanziert die Kosten der Behandlungen von allen. Dieses System ist gemeinnützig angelegt und funktioniert, da die Mitglieder der Krankenkasse ihre monatliche Beitragszahlung auch dann leisten müssen, wenn sie keine medizinischen Behandlungen in Anspruch nehmen. Der Gedankengang, durch eine vegane Ernährung Vorteile zu erhalten oder geringere Beiträge zahlen zu müssen, mag zwar schlüssig erscheinen, doch er entspricht nicht dem gesetzlich verankerten, sozialen Grundsatz der deutschen Gesellschaft.

Die Haltung der Krankenkassen

Für die Einschätzung, ob eine Ernährungsform gesund ist oder nicht, stützen sich die Krankenkassen auf aktuelle, wissenschaftliche Positionen. Bezogen auf Veganismus widersprechen sich die internationalen Wissenschaftler jedoch oft grundlegend und es herrscht kein allgemeingültiger Konsens vor. So vertreten die DACH-Gesellschaften für Ernährung (Deutschland, Österreich und Schweiz), im Unterschied zu jener in den USA, die Ansicht, dass eine ausreichende Versorgung mit allen nötigen Nährstoffen mit der ausschließlich pflanzlichen Ernährung nur schwer möglich ist. Besonders kritisiert wird dabei die mangelnde Zufuhr an Vitamin B12, welches vor allem in tierischem Eiweiß enthalten ist. Daneben kann es auch zu einer Unterversorgung an Eisen, Kalzium und Omega-3-Fettsäuren kommen. Die Folgen eines längeren Mangels dieser Mikronährstoffe können weitreichend sein. Aus diesem Grund unterstützt die gesetzliche Krankenkasse eine vegane Ernährung nicht explizit.

Andererseits können diese Mangelerscheinungen durch eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Veganismus, Nahrungsergänzungsmitteln und regelmäßigen ärztlichen Kontrollen erfolgreich vermieden werden. Dieses Wissen machen sich wiederum einige private Krankenkassen zunutze und bieten für ihre Mitglieder Aufklärung in Form von Flyern, Vorträgen und Workshops an. Diese privaten Versicherungsträger stellen den Wert der bewussten Lebens- und Ernährungsweise in den Mittelpunkt ihres Handelns und investieren mit diesen Interventionen in eine Veränderung des Ernährungsverhaltens des Einzelnen. Langfristig betrachtet, können mit dieser Vorgehensweise die Kosten der Krankenkassen deutlich gesenkt werden.

Fazit

Die vegane Ernährungsform ist auf dem Vormarsch und kann nicht als vorübergehende Trenderscheinung abgetan werden. Sie kann auch als durchaus gesund und lebensverlängernd betrachtet werden, wenn eine differenzierte und genaue Auseinandersetzung mit der Nährstoffaufnahme stattgefunden hat. Ohne diese Auseinandersetzung kann eine rein pflanzliche Ernährung jedoch auch fatale Folgen haben und zu Krankheiten und Mangelerscheinungen führen. Die Aufgaben der deutschen Krankenkassen liegen deshalb darin, weitere Forschung im Bereich der Ernährung zu unterstützen und ihren Versicherten eine kritische und fundierte Aufklärung zu bieten.

Bezogen auf Begünstigungen in den Versicherungsbeiträgen für Veganer kann festgehalten werden, dass diese nicht dem Solidarprinzip der deutschen Gesellschaft entsprechen. Sich vegan zu ernähren erfordert, neben der bewussten Auseinandersetzung mit der Thematik, auch den nötigen finanziellen Rahmen. Eine Bevorzugung von Veganern im Krankenversicherungssystem könnte die soziale Ungleichheit weiter verstärken. Deshalb sollten, wenn der Veganismus vorangetrieben werden soll, auch auf anderen Ebenen Maßnahmen gesetzt werden, die diese Ernährung für alle zugänglich machen.



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